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„Es wird viel mehr gelacht“

18.08.2021

Betreutes Wohnen in Familien unserer Lebenshilfe wird 10 Jahre alt Interview mit Familie in Lauf anlässlich des Jubiläums

Melanie Dinger - eine Frohnaturzoom

Melanie Dinger, eine junge Frau mit Handicap lebt seit 10 Jahren bei ihrer Schwester Petra Stehle in Lauf. Die Familie wird seither vom Team des Betreuten Wohnens in Familien (BWF) der Lebenshilfe Baden-Baden – Bühl - Achern begleitet.


Doch wie kam es dazu?

Petra Stehle berichtet: „Als unsere Mutter starb, kam meine Schwester Melanie zunächst zu uns. Ich lebte mit meinen Mann und unseren vier Kindern in Lauf. Ihre früheren Besuche bei uns hat Melanie immer sehr genossen. Als sie dann zu uns zog, mussten wir uns alle erst einmal aneinander gewöhnen. Es war auch nicht klar, wie es weitergehen würde. Ich fragte bei der Lebenshilfe nach einem Wohnheimplatz in Achern. Damals war jedoch kein Platz frei und uns war allen klar, dass meine Schwester solange bei uns bleibt. Mittlerweile ist es gar kein Thema mehr, Melanie gehört zu unserer Familie. Sie bringt mit ihrer fröhlichen Art viel Leben in die Bude. Sie lebte sich schnell ein und ist gern bei uns.“
Das bestätigt auch Melanie: „Mir gefällt alles bei meiner Schwester. Als ich zu ihr kam, hatte ich meinen Teddy Melissa dabei, mit dem redete ich oft. Das war gut. Mittlerweile brauche ich meinen Teddy nicht mehr. Er ist jetzt im Schrank.“


Inwieweit wurden Familienregeln und gewohnte Abläufe verändert?

„Ich konnte nicht mehr so arbeiten, wie bisher, da wir meine Schwester nicht allein lassen konnten“ erzählt Petra Stehle. „Auch müssen wir alles gut planen und sind in vielen Sachen nicht mehr so flexibel. Aber dennoch kommt viel zurück. Es wird viel mehr gelacht. Auch unser Sohn, der damals, als Melanie zu uns kam, vier Jahre alt war, ist mit meiner Schwester aufgewachsen. Er kennt keine Berührungsängste gegenüber Menschen mit Handicap.“

Familie Stehle mit Melanie Dingerzoom

Was bereichert Ihr Familienleben mit Melanie Dinger und welche neuen Erfahrungen konnten Sie machen?

Begeistert zählt Petra Stehle auf: „Mit meiner Schwester wird es nie langweilig. Sie ist ein fröhlicher Mensch. Auch in unserem Freundeskreis ist Melanie stets dabei und sehr beliebt. Wir lachen viel zusammen.
Mit Melanie ist unsere ganze Familie zum Sport gekommen. Durch sie entstand der Kontakt zur Sportgruppe der Behinderten- und Nichtbehinderten Initiative in Achern. Später gründeten wir eine Walkinggruppe, ich machte daraufhin einen Trainerschein und leite seither eine Sportgruppe für Brustkrebspatientinnen“.
Melanie grätscht begeistert dazwischen: „Ich habe auch im letzten Jahr den Trainerschein als Assistenzübungsleiterin in der Sportschule in Steinbach gemacht!“

Durch Melanie zum Sport gekommenzoom

Inwieweit kann im BWF die Teilhabe für Menschen mit Behinderung umgesetzt werden?

Da wir Melanie nicht allein lassen, ist sie auch immer dabei, wo wir sind. Sie ist ein Teil unserer Familie und unseres Freundeskreises.
Urlaube, Sportaktivitäten und Vereinsleben sind Bereiche, die wir gemeinsam mit Melanie bestreiten. Auch hat sie wie wir, feste Aufgaben im Haushalt. Sie gehört einfach dazu und ist mittendrin.


Melanie Dinger, was sind das für Aufgaben und welche neuen Dinge haben Sie dazu gelernt?

Melanie zählt stolz auf: „Ich richte selbständig mein Vesper für die WDL, koche Kaffee und helfe beim Tisch decken und Spülmaschine ausräumen. Einmal in der Woche ist es meine Aufgabe, mein Bad und Zimmer sauber zu machen. Ich habe ein Handy und einen Laptop, die ich mittlerweile gut bedienen kann.



Familie Stehle mit Melanie Dinger und Katrin Fischer vom BWFzoom


Frage an die Lebenshilfe: In welchem Bezug steht das BWF zur UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK)?

Vereinfacht und in leichter Sprache ausgedrückt sind die Kernpunkte der UN-Konvention, dass Menschen mit Behinderung (MmB) selbst bestimmen, überall dabei sein können und die gleichen Rechte haben sollen wie alle anderen.
Dem Thema Wohnen wurde im Gegensatz zum Arbeiten und Bildung nur ein sehr kurzer Artikel 19 gewidmet, der besagt, dass "Menschen mit Behinderungen gleichberechtigt die Möglichkeit haben, ihren Aufenthaltsort zu wählen und zu entscheiden, wo und mit wem sie leben, und nicht verpflichtet sind, in besonderen Wohnformen zu leben;…" In einfacher Sprache ausgedrückt, dass MmB selber entscheiden können, wo und mit wem sie leben und nicht gezwungen werden können, in einem Wohnheim zu leben.
Damit fordert die UN-BRK ganz klar eine selbstverantwortliche Wahl durch den MmB.

Es gibt jedoch nicht nur Schwarz und Weiss. Neben den stationären und den ambulanten Wohnformen unserer Lebenshilfe entstand so aus diesem individuellen Bedarf von Melanie Dinger das Angebot des Betreuten Wohnen in Familien“ erklärt Markus Tolksdorf, Geschäftsführer der Lebenshilfe BBA. „Das ist ein wunderbares Beispiel zur Umsetzung der UN-BRK, da es eine weitere individuelle Möglichkeit darstellt, wie Wohnen und Teilhabe mitten in der Gesellschaft auch umgesetzt werden können.“


Frage an die Familie: Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

„Wir wünschen uns noch viele weitere, gemeinsame, fröhliche und unbeschwerte Jahre miteinander“ so Petra Stehle überzeugt und Melanie Dinger ergänzt: „Ich möchte noch lange bei meiner Schwester und ihrer Familie in Lauf wohnen und zur Arbeit in die WDL gehen.“


„Es wird viel mehr gelacht“

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